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Ländliche in Tirol

Projekt3

Entstehung, Geschichte und Zukunft der
LÄNDLICHEN REITER UND FAHRER IN TIROL …mehr dazu

 

Entstehung der ländlichen Reiterei in Europa.

„Der Gedanke der ländlichen Reiterei ist in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg geboren und von Gustav Rau in die Tat umgesetzt worden. In Österreich hat sie 1954, von der Steiermark ausgehend, mit Hilfe des damaligen Landstallmeisters Dr. Heinrich Lehmer Fuß gefasst.

Erst waren es Reiterspiele, zu denen sich die ländlichen Reiter zusammenfanden, in denen Brauchtümliches und sportlicher Wettbewerb am Programm standen. Nach der Steiermark griffen die Bundesländer Niederösterreich, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Burgenland und Tirol diese Idee auf. Damit war die Basis bundesweit ausgerichteter Sportfeste geschaffen.

1957      war die erste Bundesmeisterschaft der ländlichen Reiter in Gröbming/Stmk. Dieses Jahr kann als Meilenstein in der Geschichte des ländlichen Reit- und Fahrwesens in Österreich bezeichnet werden.

Im Jänner 1958 kam es unter dem ersten Obmann Graf Kottulinsky zur Gründung der „Arbeitsgemeinschaft der ländlichen Reiter und Fahrer Österreichs”. In ihr schlossen sich die Landesvereine der einzelnen Bundesländer mit ihren Reitergruppen zusammen.

Umfangreiche Aktivitäten hatten eine rasche Ausweitung der „Ländlichen” zur Folge.

Der nächste Schritt war die Integration in die Österreichische Campagnereiter-Gesellschaft

in Wien, dem Vorläufer des heutigen Bundesfachverbandes für Reiten und Fahren, an dessen

Gründung im Jahre 1962 die Arbeitsgemeinschaft maßgeblich beteiligt war.

In Tirol war übrigens immer der Präsident der Ländlichen der zweite Vizepräsident des

Landesfachverbandes.

Von Anfang hatte sich der Schwerpunkt der „Ländlichen” auf die Vielseitigkeit verlegt.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden alle Bewerbe immer mehr an die österreichische

Turnierordnung angepasst, was zu einheitlchen Leistungskriterien führte. So ebnete sich auch

der Weg zur Beteiligung an internationalen Bewerben und an den Europameisterschaften der

ländlichen Reiter.

Die Europameisterschaften waren von der Bundesrepublik Deutschland 1953 ins Leben gerufen und seither regelmäßig im zweijährigen Turnus abgehalten worden.

Im Jahr 1959 konnte zum ersten Mal in Rastede, dank der Bemühungen von Dr. Gerhard Holz-

Dahrenstaedt aus Salzburg, eine österreichische Mannschaft an einem solchen Bewerb teilnehmen.

1967 stellte Österreich bei der 10. EM in Salzburg den Europameister in der

Mannschaftswertung und 1975 in Bad Seegeberg (BRD), mit Heinz Knaus, Steiermark,

den Europameister in der Einzelwertung.

Anlässlich der 19. EM im Jahr 1985 in Neumarkt im Mühlkreis (Ö) errang unsere Mannschaft

den sehr beachtlichen 3. Platz.

 

Die Erhaltung und Förderung der heimischen Pferdezucht durch die „Ländlichen” hatte in den

letzten 25 Jahren Vorrang. Die ländlichen Reiter haben sich um die Zucht - ebenso wie um die

österreichische Reiterei überhaupt - besondere Verdienste erworben.

Ihre Wettkämpfe erlauben einen Überblick über den Stand der Zucht sowie den der reiterlichen

Ausbildung.

Die sportlichen Anforderungen dieser Wettkämpfe konnten im Laufe der Jahre dank der

steigenden Leistungen speziell in den Vielseitigkeitsbewerben der drei Rassesparten Warmblut,

Noriker und Haflinger laufend erhöht werden.

Ende Dezember 2005 gehören von den insgesamt 46.620 Mitgliedern des Bundesfachverbandes 22.957 den Ländlichen an, das sind immerhin 49 %.

 

Soweit zu Europa und zu Österreich, nun zur ENTWICKLUNG IN TIROL:

Nach dem 2. Weltkrieg hatte das Arbeitspferd bei der bäuerlichen Bevölkerung noch große

Bedeutung und besonders bei traditionellen und festlichen Anlässen wurde das Pferd - besonders

von der Jugend - unter dem Sattel oder vor dem Wagen vorgestellt. Militärsättel bildeten meist

die Basis der Ausrüstung und neben den jungen Menschen zu Pferd gab es viele begeisterte

Väter, die das Vorhaben der Jungen gerne unterstützten, sich aber hauptsächlich um die Zucht

kümmerten.

Josef Waldhart aus Telfs erkannte das Problem: „Sie möchten gerne reiten und können es

nicht”.

Also bat er 1966 Baron Sternbach, die Ausbildung auf dem Land zu übernehmen. Baron

Sternbach hatte etwa acht Reiter aus dem Tiroler Unterland im Training, setzte jedoch die

Maßstäbe der militärischen Reiterei voraus und so scheiterte die Ausbildung bald.

Nun war Hubert Graf Enzenberg, ebenfalls ein sehr erfahrener Pferdemann, bereit, diese

Tätigkeit zu übernehmen und mit sehr viel Geduld und Gefühl lehrte er die jungen Menschen die

Grundbegriffe der Reiterei. Dies war schon allein deshalb nicht einfach, da mit den Pferden

werktags ja auch gearbeitet wurde und wie sollten sie die Geschmeidigkeit eines Reitpferdes so

schnell erlangen?

Entlohnung gab es für die Ausbilder damals keine. Zumeist war es die liebevoll servierte Jause

der gerade gastgebenden Bäuerin, die den Reitern und dem Ausbilder die Möglichkeit gab, in

kameradschaftlichem Kreis das Erlernte nochmals durchzusprechen und sich an gemeinsamen

kleinen Erfolgen zu freuen.

Die Ausbildungszieie waren damals nicht hochgesteckt. Das Pferd beherrschen, Umzüge

mitgestalten, an Festen teilnehmen … Noch keine Rede von Vielseitigkeit und ähnlichen Ansprüchen.

Die erste organisierte Reitergruppe Tirols war in Telfs, geritten wurde auf Haflingern. Dazu kamen dann die Noriker-Reitergruppe Angerberg und die Noriker-Reitergruppe

Hopfgarten, die am 28. Dezember 1966 gegründet wurde und beim 1. Leonhardiritt in der von der Schützenkompanie geborgten Tracht auftrat.

Josef Waldhart war ab 1945 Geschäftsführer des Noriker-Pferdezuchtverbandes und hat später den Warmblut-Pferdezuchtverband mitbegründet. Unter seiner Leitung arbeitete die Reitergruppe Telfs nach dem Krieg eng mit der Campagnereitergesellschaft Tirol zusammen. Unter Beteiligung französisischer Offiziere wurden in Telfs Turniere abgehalten. Die Reiter der CRG und die Franzosen bestritten den sportlichen Teil, die Telfer organisierten und machten das obligatorische Schauprogramm. Das Schauprogramm war damals Pflicht bei jeder reiterlichen Veranstaltung und sorgte wegen der meist spektakulären Einlagen für große Zuschauermengen.

Die RG Hopfgarten veranstaltete schon bald nach der Gründung im Zwei-Jahres-Intervall Reiterfeste, zu denen jeweils an die tausend Zuschauer kamen. Unter Beteiligung der Bauern gab es Gasslrennen, Skijöring und volkstümliche Vorführungen der Reiter und Fahrer. Unter dem Hengstenpfleger Manfred Rauter wurde das Fahren bis zum Siebenergespann praktiziert und diese hohe Fertigkeit haben sich die Hopfgartner bis heute erhalten.

1968 war in Wörgl die erste Bundesmeisterschaft, veranstaltet von den Reitergruppen Telfs und Hopfgarten und unter der Leitung von Josef Waldhart.

Die Bewerbe waren damals: Einzeldressur/Gruppendressur/Geländeritt/Gespannfahren und als Pflicht (mit Bewertung) das Schauprogramm. Es gab damals die berühmte Pyramide, das Stuhlreiten, der Bandltanz zu Pferd wurde vorgeführt und auch bereits die Quadrille.

Wie war damals - 1968 - ein Turnier organisiert?

Transport mit Traktor oder LKW (meist mit Hilfe eines Viehhändlers), bei weiteren Fahrten, wie nach Oberösterreich oder Kärnten erfolgte der Transport mit der Bahn. Tagsüber waren die Pferde im Freien in Ständen angehängt, übernachtet wurde bei benachbarten Bauern. Die Hindernisse im Gelände waren etwa 30 cm hoch, es gab jedoch drei Hindernisse mit ca. 50 cm, die freiwillig zu reiten waren und Zusatzpunkte brachten.

Die Idealzeit im Gelände wurde folgenderrmaßen ermittelt:

Das älteste Pferd des Turniers wurde am Tag vor dem Bewerb durch die Geländestrecke geritten und die erreichte Zeit galt für die anderen Teilnehmer als Bestzeit. Strafpunkte gab es bei Über- ­oder Unterschreitung dieser Bestzeit.

1968 löste sich die Reitergruppe Angerberg wieder auf, nicht zuletzt auch, nachdem durch einen Brand der Großteil der Ausrüstung verloren gegangen war.

Im gleichen Jahr hielt die RG Kobernaußen ein Turnier ab und damals wurde von den Oberösterreichern als Schauprogamm das „Turnen zu Pferd” vorgeführt - die Voltige war somit in Österreich zuerst bei den „Ländlichen” auf dem Programm.

Für die ländlichen Vereine war schon damals eine solide finanzielle Basis sehr wichtig .

Allein aus budgetären Überlegungen war damals der Reiterball bei Turnieren obligatorisch und so hielten es auch die Tiroler Reitergruppen. Festveranstaltungen dienten dazu, das reiterliche Können einer breiten Bevölkerung zu demonstrieren, also „Image” zu bilden und die Vereinskasse gefüllt zu halten. In den Protokollen der damaligen Generalversammlungen sehen wir auch jedes Mal den Punkt „Balleinnahmen” vermerkt.

Auch Subventionen gab es damals schon. So ist in einer Turnierabrechnung der RG Telfs aus dem Jahre 1959 zu entnehmen, dass an die RG Angerberg S 500,- an Transportkosten ausbezahlt wurden.

Die Reitergruppe Hopfgarten leitete von 1974 bis 1996 Josef Wurzrainer als Obmann.

Zu dieser Zeit gab es auch eine Veränderung in Bezug auf die Pferdetypen. Die Jungen wollten leichtere und “rittige” Noriker, den Vätern taten die Pferde im Vielseitigkeitseinsatz ohnehin Leid und sie brauchten ja den typischen schweren Noriker, um bei den Ausstellungen mithalten zu können.

Ökonomierat Josef Waldhart verstand es schon damals glänzend, bei der Beurteilung der Noriker

im Rahmen von Ausstellungen zwischen den Ansprüchen von Sport und klassischer Zucht zu

vermitteln.

Von da an entwickelte sich die Norikerzucht in Tirol auch teilweise in Richtung Sporteinsatz der

Pferde.

 

Eine Zusammenarbeit zwischen Noriker- und Haflingerzüchtern kam eigentlich nie richtig zu Stande. Im Turniereinsatz waren die Haflinger bei den Reitergruppen immer etwas im Hintergrund. Das änderte sich in den Siebziger-Jahren, wo die Haflinger aus Ebbs viele A- und L-Dressuren bei Tiroler Turnieren in Konkurrenz zu Warmblutpferden dominierten. Auch der derzeitige Präsident des Landesfachverbandes, Dr. Peter Lechner, begann seine reiterliche Karriere auf Haflingern und trug damals viel zum Ansehen der Haflinger als Reit- und Turnierpferd bei.

 

Mit der Ausrichtung des Haflinger-Pferdezuchtverbandes auf  Show und den Fahrsport änderte sich leider das vom Verband vorgegebene - und damit offizielle - Erscheinungsbild des Haflingers und die Einstellung der bedeutenden Tiroler Züchter zum Einsatz des Haflingers im Sport. Derzeit ist es nicht einfach, eine größere Anzahl von Haflingern etwa für eine Tiroler Meisterschaft in Dressur und Springen oder gar in der Vielseitigkeit aufzubringen.

DIE STELLUNG DER LÄNDLICHEN IM LANDESFACHVERBAND:

Die ländlichen Vereine konkurrieren in keiner Weise mit dem LFV. Sie stellen eine Untergruppe dar, die organisatorisch zum Ziel hat, die Bundesmeisterschaften in Springen, Dressur, Vielseitigkeit und Fahren der Rassen Warmblut, Haflinger und Noriker mit Tiroler Reitern zu beschicken, wobei im Sinne der Statuten der Ländlichen die Ausübung des Reit- und Fahrsports mit österreichischen (Tiroler) Pferden hohe Bedeutung hat.

Zwei von vier Mannschaftspferden müssen bei Bundesmeisterschaften eine österreichische Abstammung haben. Da ist bei Haflingern und Norikern kein Problem, wie Warmblut-Bewerben jedoch nicht einfach zu lösen.

Aufgrund der knappen Budgetsituation sind die Ländlichen in Tirol auch nicht in der Lage, so wie in anderen Bundesländern die Reiter sportlich und trainingsmäßig extra zu unterstützen. Die Fachreferenten des Landesfachverbandes Tirol arbeiten mit großer Umsicht zusammen und somit kommt jeder Reiter, der dem LFV Tirol angehört, in den gleichen Genuss sportlicher Unterstützung. Zudem trägt das in den Statuten des LFV verankerte Vorstandsmitglied aus den Reihen der Ländlichen die Verantwortung, neben seinen Aufgaben besonders auf das Wohlergehen der ländlichen Vereine, deren aktive Sportler und Mitglieder zu achten und diese nach besten Kräften zu unterstützen. Besonderes Augenmerk ist dabei auf das Thema „Pferdesport als Breitensport” zu richten, liegt doch die Basis der Reiterei in Tirol nicht in den Ballungszentren, sondern im ländlichen Raum.

 

Der Vorstand des Landesvereines setzt sich derzeit wie folgt zusammen:

 

Johann Schrof, Präsident

Lois Kaltenböck, Vizepräsident

Manfred Kargl, Vizepräsident und Schatzmeister

Stefan Ehammer, Fach- und Spartenreferent Noriker

Sandra Lindner, Fach- und Spartenreferentin Haflinger

Claudia Waldhart, Fachreferentin Warmblut und Spartenreferentin Springen

Sabine Stöckl, Spartenreferentin Dressur

Die Fach- und Spartenreferenten sind auch für die Entsendung und Zusammensetzung von Tiroler

Mannschaften zuständig.

 

Folgende Vereine gehören derzeit dem Landesverein der Ländlichen Reiter und Fahrer Tirols an:

Reitstall Pill, RV Inntal, RC Seefeld, RV Gnadenwald, RFV Telfs, Stall Weererwirt, RG Fohlenhof Ebbs, Reiterhof Stöckl, RC Kitzbühel, RG Hopfgarten, RFV Lienz, RFC Westl. Mittelgebirge,

RV Mieming, RFV Henntalhof, RFV Stubai, RSV Oberndorf, RSC Westendorf, RFV Feldererhof, Angerberg, RV Zillertal Edhof, RV Luchnerhof Gnadenwald, RFV Kirchberg-Spertental,

RFV Söllandl, RFV Oberpettnau, Pferdesportclub Kramsach, RFV Kitzbüheler Alpen, Pferdefreunde Wilder Kaiser, 1. Gespannfahrclub Tirol, RFV Breitenbach, Fuhrmannsverein Innsbruck-Land,

RFV Farbental-Gnadenwald, RV Vollger, Mils, RFV Thalhaushof, Pferdesportverein Stubai.

Von den mit Ende 2005 insgesamt 3.840 Tiroler Vereinsmitgliedern bekennen sich 1.804 zur Idee der Ländlichen, das sind 47 %.

 

BESONDERE ERFOLGE DER TIROLER LÄNDLICHEN:

Die RG Hopfgarten erreichte zweimal in Folge den Titel Bundesmeister Noriker in der Mannschaft und mit Stefan Ehammer zweimal in Folge den Einzeltitel.

2001 erreichte die Mannschaft Tirol I (Rantner Stefan, Berger Maria, Berger Andreas, Evelyn

Hosp) in Stadl-Paura den Bundesmeistertitel im Springen und mit Claudia Wintersteller den

Bundesmeistertitel Einzel Springen Junioren. Bei dieser BM gab es außerdem bedeutende

Einzelleistungen von Tiroler Reitern in Dressur und Springen.

Mitglieder ländlicher Vereine sind die bedeutenden Tiroler Gespannfahrer und WM-Teilnehmer Isidor Weber und Fred Obernauer.

 

2005 wurden in Tirol drei Bundesmeisterschaften ausgetragen, und zwar:

BM Haflinger Springen und Dressur in Angerberg

BM Warmblut Springen in Telfs und BM Warmblut Dressur in Seefeld.

Die drei Veranstaltungen waren herausragende Ereignisse in der Geschichte der österreichischen Bundesmeisterschaften und alle drei Veranstalter (RV Feldererhof Angerberg, RC Telfs und RC Seefeld) ernteten allseits großes Lob. Besonders die Turniere in Angerberg und Telfs waren durch die Hochwasserkatastrophe sehr stark beeinträchtigt und nur unter größter Anstrengung - in Angerberg sogar durch die Unterstützung sämtlicher Vereine - war eine Durchführung möglich.

 

 

Die Tiroler Haflingermannschaft im Springen, bestehend aus Evelyn Lechner, Claudia Lanthaler, Monika Schlüsselberger und Daniela Treffer erzielte den Bundesmeistertitel, Bundesmeisterin im Springen wurde Evelyn Lechner.

Bei den Warmblütern wurden folgende Tiroler als Bundesmeister 2005 geehrt: Hannes Ganner, Telfs, Springen Jugend, Christoph Obernauer, Kitzbühel, Springen Junioren und Anna Obernauer, Dressur Junioren.

 

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